Megapixel im Land von Hanni und Hilti

Bald ist es wieder so weit: am 10. September stellen die drei Autoren des zweiten Megapixel-Projekts ihre literarischen Interpretationen der neuen Fotoserien vor.

Diesmal stammen die Aufnahmen aus Liechtenstein, dem Zwergstaat, der zwischen Österreich und der Schweiz in den Alpen eingeklemmt ist.

Zu und über Liechtenstein
fällt mir erst mal nicht viel ein.

Das reimt sich, und was sich reimt ist gut, würde der Pumuckl sagen. Aber den zog es bekanntlich eher nach Bayern.

Also noch mal nachdenken …

Genau! Skifahren, alpin, da war mal etwas in einer Zeit, als der Name Franz Klammer jedem ein Begriff war, der sich für alpinen Skisport interessierte.

Franz Klammer war Österreicher. Wenn der in der Abfahrt zu einem Wettbewerb antrat, war an sich schon klar, wer das Rennen gewinnen würde. Alle anderen waren Statisten, die antraten, damit die Sportreporter in der Zwischenzeit etwas Lustiges zu erzählen hatten. Und da fielen im Zusammenhang mit Liechtenstein Namen, die klangen wie Hanni und Nanni, was uns der Literatur als Gattung schon ziemlich nahe bringt.

Dann fällt mir noch ein, dass der Tauchpionier und Verhaltensforscher Hans Hass – ebenfalls Österreicher – die von ihm gegründeten Firmen in Liechtenstein registrieren ließ. Er war auch Gründungsmitglied und Präsident des P.E.N. Clubs Liechtenstein.

Geld, so Hass in seinen Studien, sei ein „überoptimaler Schlüsselreiz“. Da war es wichtig, den österreichischen Fiskus davor zu bewahren, dem Einfluß dieses Schlüsselreizes ausgesetzt zu sein. Dafür ist Liechtenstein, fällt mir weiter ein, allgemein bekannt: ein Schlüsselreiz-Vermeidungsstaat.

Was nun Clara Ehrenwerth und Victor Kümel, ihres Zeichens Initiatoren des Megapixel-Projekts nach Liechtenstein zog, geht zurück auf die Idee eines gemeinsamen Bekannten, Benjamin Quaderer. Der ist selbstredend Liechtensteiner und möchte in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Liechtenstein bewirken, dass „ein Ort wie Liechtenstein, der in der Literatur wenig bis gar nicht stattfindet, mit Megapixel zum literarischen Schauplatz wird.“

Außerhalb wisse man, so Quaderer, nicht eben viel über sein Land. Vielleicht, dass es eher klein sei und eher reich. Vielleicht kenne man noch den Fürsten und die Hilti, aber sonst?

Ja, das stimmt.

Die Hilti, ungekrönte Königin im Reich der Bohrhämmer, die kenne ich. Mit ihr gelingt jeder Durchbruch. In meiner wilden Studentenzeit habe ich manche Werkshalle in Berliner Industriegebieten mit einer Hilti durchlöchert bis sie aussah wie ein Schweizer Käse. Da wußte ich freilich noch nicht, dass Hilti aus Liechtenstein kam. Das weiß ich erst jetzt dank Megapixel.

Von den Menschen, die in Liechtenstein leben, weiß ich allerdings noch immer fast nichts. Und ich hoffe und wünsche, dass die neuen Megapixel-Geschichten mir etwas über sie erzählen werden.

4351 Bilder stehen als Rohmaterial zur Verfügung.

Die erste Lesung findet – wie schon erwähnt – am 10.09.2016, 1700 Uhr, im Haus Stein Egerta in Schaan/Liechtenstein statt.

Alle, denen die Anfahrt ins Fürstentum zu weit oder aus Zeitgründen nicht möglich ist, sei die Deutsche Erstaufführung in Berlin empfohlen, am 23.10.2016, 1800 Uhr, in der Lettrétage in Kreuzberg, Mehringdamm 61, Nähe U-Bhf. Gneisenaustraße.